DIE GESCHICHTE DER KRAICHGAUER ÄRZTESCHAFT

Ärzte gab es schon immer:
  • im Ägypten der Pharaonen,
  • in der Antike im alten Persien,
  • in Griechenland,
  • aber auch - im Kraichgau!

Aber erst 1883 wurden unter Bismarck die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) eingeführt : Die Arbeiterversicherung des deutschen Reiches. Geregelt war das ganze Vergnügen in der guten alten Reichsversicherungsordnung (RVO)!

Das seit der Antike unabhängige Verhältnis Arzt und Patient wurde durch diese dritte Kraft der GKV von nun ab beeinflußt. Auf Grund der Monopolstellung der Kassen und der Vielzahl der einzeln schaffenden Ärzte wurden Verträge vorgegeben, die zu wirtschaftlichen und sozialen Problemen führten.

Nach zahllosen Streikaktionen seitens der Ärzteschaft wurden im Dezember 1913 auf Drängen der Reichsregierung zwischen Krankenkassenverbänden und dem späteren Hartmannbund das Berliner Abkommen getroffen.

Dies war eine erste ärztliche Interessenvertretung.

Erstmalig wurden Rahmenbedingungen für die Vertragsgestaltung zwischen Krankenkassen und niedergelassenen Ärzten festgelegt. Jeder Arzt mußte von nun ab direkt mit den einzelnen Krankenkassen abrechnen: Ein ungeheurer Aufwand!

Jetzt wird es kurz persönlich!

Dr. med. Leo Nowacki (gesprochen Nowatzki) aus Baden-Baden (Ehefrau Luise, geb. Schwenn aus Mannheim), war vor dem ersten Weltkrieg Assistenzarzt bei einem gewissen Dr. Wetterer in Mannheim, welcher ein Bruder des in Bruchsal wohlbekannten Stadtpfarrers Anton Wetterer war.

Als am 2.August 1914 der 1. Weltkrieg ausbrach, wurde Nowacki als Arzt zum Militär eingezogen und als solcher in einem Lager für russische Kriegsgefangene in Rastatt tätig. 1917 wurde er nach Bruchsal versetzt, um in leitender Stellung seinen Dienst am Barackenlazarett im unteren Schloßgarten anzutreten. Dieses bestand aus Einzelbaracken und lag über der Bahnlinie gleich rechts anschließend an das Wohnhaus der dort tätigen Schrankenwärter und reichte bis zu dem torähnlichen Durchgang im alleruntersten Schloßgartenteil, an dem rechter Hand der Sportplatz des Bruchsaler Turnerbundes lag. Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Fa. Siemens in der Rheinstraße (später Werner-von-Siemens-Strasse; dort ist auch der Giebel des abgerissenen Gebäudes als Denkmal erhalten) war mit seinen Haupträumen im 1. Weltkrieg Lazarett. Damals wohnte Nowacki in der Schönbornstraße, gleich im ersten Haus nach den kleinen Gebäuden am Zuchthaus. Noch vor Ende des ersten Weltkrieges zog er in eine geräumigere Wohnung in der Moltkestraße 14 bei Familie Stephan (später Metzgerei Zehner). 1919 wurde er aus dem Militärdienst entlassen, blieb in Bruchsal und eröffnete in der Moltkestraße eine Arztpraxis.

Nowacki wurde von der damaligen Kraichgauer Ärzteschaft auserkoren, die Abrechnungen mit den diversen Krankenkassen für alle durchzuführen. Dies wurde so umfangreich, dass er seine Praxis aufgab und nur noch die Abrechnungen der Kollegen betreute.

Die Auseinandersetzungen zwischen Kassen und Ärzten aber dauerten an und spitzten sich durch die Weltwirtschaftskrise zu. Im Rahmen einer der Brüning'schen Notverordnungen wurden am 8.12.1931 die Kassenärztlichen Vereinigungen gegründet.

Doch die Kraichgauer Ärzteschaft vertraute auf ihr eigenes System und hielt sich zunächst gegenüber den Kassen bedeckt. Nowacki rechnete weiter ab!

Nach der Machtergreifung Hitlers wurden solche Abrechnungsbesonderheiten wie die der Kraichgauer Ärzteschaft mit dem „Refü“ Dr. Leo Nowacki nicht länger geduldet und sie mußte von nun ab bei der KV-Abrechnungsstelle Karlsruhe abrechnen.

Bei der Eingliederung der Kraichgauer Ärzteschaft in die KV Karlsruhe wurde ein zusätzlicher dritter Sitz überproportional zu den anderen Abrechnungswinkeln ausgehandelt. Dies geriet erst nach den Wahlen 1992 in relative „Vergessenheit“.


WAS NOCH ?

Das Amtliche Mitteilungsblatt für Stadt und Landkreis Bruchsal, herausgegeben mit der Genehmigung der Militärregierung, veröffentlichte am Samstag dem 26 Januar 1946 zum Preis von 15 Pfennig unter der Überschrift "Zugelassene Ärzte, Apotheker, Dentisten und Zahnärzte im Landkreis Bruchsal" unter anderem:

  • Dr. Waas Ferdinand, Östringen
  • Dr. Wolf Johann, Philippsburg
  • Dr. Meier Georg, Unteröwisheim
  • Dr. Fischer Andreas, Wiesental
  • Dr. Kaeser Albert, Krankenhaus Bruchsal
  • Dr. Kasten Friedrich, Facharzt für Frauenkrankheiten, Bruchsal
  • Dr. Engelhardt-Guthmann, Krankenhaus Bruchsal
  • Dr. Leitz Alfred , Gochsheim
  • Dr. Krämer Otto Heinrich, Kirrlach
  • Dr. Heß Rudolf, Oberhausen
  • Dr. Hepp Franz, Odenheim
  • Dr. Reinhardt Otto, Zeutern
  • Dr. Scherer Untergrombach
  • Dr. Schmich Otto, Gesundheitsamtsarzt Bruchsal
  • Dr. Funke,Ursula , Fachärztin f. Augenkrankheiten, Krankenhaus Bruchsal
  • Dr. Richter Johanna, Bruchsal
  • Dr. Pfriem Agnes, Kinderärztin, Bruchsal
  • Dr. Maier Friedrich, Bruchsal
  • Dr. Sproedt Hans, Bruchsal - Weiher
  • Dr. Bernhard Jakob, Bruchsal
  • Dr. Schäfer Alfons, Krankenhaus Bruchsal
  • Dr. Belz Herbert, Krankenhaus Bruchsal
  • Dr. Frank Krankenhaus Bruchsal,
  • Dr. Oßwald Fritz Krankenhaus Bruchsal
  • Dr. Wolpert Hedwig Krankenhaus Bruchsal
  • Dr. Schneemilch Gerhardt, Bruchsal HNO
  • Dr. Matthis Paul, Forst
  • Dr. Stofer Kuno, Gondelsheim
  • Dr. Michenfelder Julius, Langenbrücken
  • Dr. Ziegelmayer Alfred, Langenbrücken
  • Dr. Kaiser Lieselotte, Menzingen
  • Dr. Becker Ernst, Östringen
  • Dr. Dauer Johanna, Östringen
  • Dr. Weber Josef, Mingolsheim
  • Dr. Brand Eduard, Rheinhausen
  • Dr. Bischoff Ilse , Unteröwisheim
  • Dr. Knoff Eberhard, Philippsburg
  • Dr. Schmitt Karl, Heidelsheim
  • Dr. Wenzel Günter, Ubstadt

Ich habe für Sie zusammengezählt, es werden namentlich aufgeführt:

  • 23 Landärzte
  • 7 Stadtärzte plus 1 Amtsarzt
  • 8 Ärzte am Krankenhaus

39 Ärzte und ich wiederhole aus der Überschrift: 39 zugelassene Ärzte im Landkreis Bruchsal

Heute, Ende 2002 gibt es mindestens 220 niedergelassene Ärzte ohne Krankenhaus- Kurklinik- und Amtsärzte und mindestens 75 Apotheken in diesem Einzugsbereich.

Trotzdem - ganz ehrlich: Gestorben wird auch heute noch, auch bei uns im Kraichgau, genau wie damals!


Vorsitzende der Kraichgauer Ärzteschaft nach dem Kriege:

  • Dr. Anton Frank ca 1960 bis 1985
  • Dr. Hermann Vollmer 1985 bis 1996
  • Dr. Michael Taubitz 1996 bis 1998
  • Dr. Patrick Vivell seit 1998

Sprecher :

  • Dr. Geert Wenzel seit 1985
  • PD. Dr. Hassler seit 1996

Wo tagt die Kraichgauer Ärzteschaft?

Die Stammtische der Kraichgauer Ärzteschaft waren bis 1988 im Bären in Bruchsal, bis 2002 im Waldseehallenrestaurant in Forst in der TSG Gaststätte in Bruchsal und seit 2003 im Graf Kuno in Bruchsal.


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